Ab in die Vogelperspektive – Drohne fliegen in Hamburg

Mit der technischen Weiterentwicklung werden Drohnen immer kleiner, besser und vor allem preislich günstiger. Dementsprechend sind immer mehr Privatpersonen mit einem Flugobjekt unterwegs und hoffen, die besten Bilder der Hansestadt aus der Vogelperspektive zu schießen. Doch geht das in Hamburg überhaupt so einfach? An was müssen Drohnenpiloten in Deutschland und Hamburg im speziellen denken? Ein Selbsttest.

Die Steuerung einer Drohne ist mit einem Controller noch deutlich genauer, als mit dem Smartphone.

Gesetze, Gesetze, Gesetze

HALT STOP! Bevor Du einfach wild drauf los fliegst, musst Du Dich mit den Regeln und Gesetzen für das Fliegen einer Drohne in Deutschland beschäftigen. Denn nicht an jedem Ort darfst Du Deine Drohne einfach starten lassen. Als ich meine Drohne geschenkt bekommen habe, übrigens eine Yuneec Breeze 4k, aber dazu später mehr, habe ich auch sorgfältig recherchiert, was man darf und was man nicht darf.

Um die Gefahr von Kollisionen einzudämpfen und besonders eine Behinderung der öffentlichen Luftfahrt zu verhindern, gibt es seit 2017 die “Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten”. Darin enthalten sind alle Regeln für die private Nutzung von Drohnen, gestaffelt nach der Größe der Drohne:

  • Wenn die Drohne mehr als 250 Gramm wiegt: Die Drohne muss mit einer Plakette gekennzeichnet sein. Auf dieser Plakette müssen Name und Adresse des Eigentümers vermerkt sein.
  • Wenn die Drohne mehr als 2 Kilogramm wiegt: Für eine Dauer von jeweils 5 Jahren muss der Drohnenpilot einmal seine Fertigkeiten als Pilot unter Beweis stellen. Dies geht durch mit Hilfe einer gültigen Pilotenlizenz, einer Bescheinigung nach Prüfung durch eine vom Luftfahrt-Bundesamt anerkannte Stelle (Auch online, Mindestalter: 16 Jahre) oder mit Bescheinigung nach Einweisung durch einen beauftragten Luftsportverband (DMFV oder DAeC). Diese Regeln gelten nicht bei Betrieb der Drohne auf einem Modellfluggelände.
  • Wenn eine Drohne mehr als 5 Kilogramm wiegt: Bei großen Drohnen gilt die Erlaubnispflicht. Das bedeutet, dass ein Pilot sich vor jedem Start eine Erlaubnis durch die Landesluftfahrtbehörden einholen muss.

Für alle Drohnen gilt, dass ein Betrieb in der Nacht nur nach Erlaubnis durch die Luftfahrtbehörden möglich ist. Zudem ist es bei allen Drohnen untersagt:

  • außerhalb der Sichtweite
  • über sensible Bereiche (wie z.B. Einsatzorte der Polizei)
  • über bestimmten Verkehrswege (z.B. die Elbe !)
  • in Kontrollzonen von Flugplätzen
  • über 100 Metern über dem Boden (Ausnahme bei wenigen Geländen)
  • über Wohngrundstücken, wenn die Drohne mehr als 250 Gramm wiegt (Außer betroffener Anwohner stimmt ausdrücklich zu) und Audio oder Videosignale empfangen und aufzeichnen kann

zu fliegen. Zudem ist man als Drohnenpilot immer verpflichtet, bemannten Fluggeräten auszuweichen.

Ganz schön viele Regeln oder? Aber lasst euch davon nicht allzu sehr abschrecken, man kann seine eigene Drohne trotzdem noch sehr gut nutzen. Im folgenden, kurzen Ausschnitt könnt ihr schon einmal sehen, wie so ein Drohnenflug aussehen kann (aufgenommen mit einer Xiaomi Mi Drone 4K):

Kann ich jetzt direkt loslegen?

Noch nicht ganz. Klärt am besten vor dem ersten Start noch, ob eure Drohnenausflüge auch mit eurer Haftpflichtversicherung abgedeckt sind. Ansonsten kann es ganz schön teuer werden, wenn ihr aus Versehen einen Schaden mit eurem Fluggerät anrichtet. Falls euer neues Hobby nicht in der normalen Haftpflicht abgedeckt ist, könnt ihr dies oft zusätzlich als Paket buchen oder eine eigene Drohnen-Haftpflicht abschließen. Auf jeden Fall solltet ihr euch auch mit den Versicherungsbedingungen vertraut machen, damit die Versicherung im Notfall auch zahlt und nicht verweigert, weil ihr euch nicht an die Spielregeln gehalten habt.

Nun endlich zum Fliegen: Mit der Yuneec Breeze 4k, welche 385 Gramm wiegt, unterliege ich nur der Kennzeichnungspflicht. Also habe ich eine Plakette mit meinen Daten bestellt und auf den Copter geklebt. Das geht sehr fix und lässt sich problemlos online bestellen, zum Beispiel hier.

Als nächstes habe ich mir auf der Karte angeguckt, welche Zonen so genannte “No Fly Zones” sind. Das sind solche Zonen, in denen man nicht oder nur begrenzt fliegen darf. Hier kam die erste Ernüchterung auf: Durch unseren innerstädtischen Flughafen ist quasi fast komplett Hamburg eine “No Fly Zone”. Sehr gut kann man die Zonen übrigens auf den Karten der App “DFS Drohnen“, also der Deutschen Flugsicherung, nachschauen (siehe Bild unten). Ein Test mit meiner Drohne hat gezeigt, dass an diesen Orten per GPS eine Grenze eingebaut ist, sodass ich nicht höher als 10 Meter fliegen konnte. Das reicht definitiv, wenn man mal die Fähigkeiten der Drohne draußen austesten möchte. Ich finde es auch sinnvoll, dass der Betrieb der Drohne in diesen Zonen direkt eingeschränkt ist, sodass man sich gar nicht erst in den illegalen Bereich bewegen kann.

Richtig spannend wird der Einsatz der Drohne dann aber erst, wenn man in den Gebieten ohne Beschränkung unterwegs ist. In meinem Fall war es der Öjendorfer Park, welcher mitten auf der Grenze zu einer No Fly Zone liegt. Dort bin ich dann ohne Probleme 60 Meter hoch geflogen und konnte ein paar außergewöhnliche Bilder schießen – doch Vorsicht: Je höher man auch fliegt, desto schwieriger ist es, die Winde in luftiger Höhe einzuschätzen. Und da es in höheren Gefilden auch durchaus mal stürmischer werden kann, sollte man sich immer bewusst machen, dass die Drohne sich mit Pech auch mal verselbstständigen kann (Daher oben auch das Stichwort: Haftpflicht!).

In der App werden einem standortbezogene Hinweise angezeigt. Im Stadtpark ist z.B. das Fliegen aufgrund des naheliegenden Flughafens strengstens verboten!

Lohnt es, sich eine Drohne zuzulegen?

Achtung, klassischer Satz aus der BWL: Es kommt drauf an!

Zunächst gibt es unterschiedlichste Preisklassen, die ich wie folgt einteilen möchte:

Schrott < Spielzeug < Einsteigermodelle < Profimodelle < gewerbliche Nutzung

Wer zunächst testen möchte, wie es ist eine Drohne zu fliegen und schon spektakuläre Aufnahmen erzielen möchte, sollte sich im Einsteigerbereich bewegen. Alle Modelle darunter sind nur von sehr kurzem Spaß, alles darüber ist für den Anfang zu teuer. Dann solltet ihr euch im klaren sein, dass ihr in Hamburg nicht einfach mir nichts dir nichts geile Aufnahmen in der Stadt machen könnt. Diese hochauflösenden Videos, welche ihr bestimmt auch so toll findet, sind zum einen von Profimodellen aufgenommen worden und dann mit teurer Genehmigung der Stadt entstanden.

Als Fazit kann ich festhalten: Fragt euch, wofür ihr eine Drohne einsetzen wollt (z.B. kann sie auch für Reisen interessant sein), wie oft ihr sie wahrscheinlich einsetzen werdet und was euch diese Zeit dann wert ist. Startet vielleicht erst einmal mit einem Einsteigermodell, um euch an die Materie heranzutasten. Denn was auf den vielen Videos so leicht aussieht ist meist durch Übung und Einsatz teurer Modelle entstanden.

Dieser Beitrag beansprucht nicht, sämtliche Informationen, Gesetze und Hinweise zum fliegen mit einer Drohne in Hamburg zu beinhalten. Ihr habt weitere Tipps oder Hinweise parat? Schreibt gerne in die Kommentare!

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