Was mich an Social Media total aufregt

Wer sich viel mit Social Media beschäftigt, wird beim folgenden Text immer wieder an eigene Momente zurückdenken müssen. Klar, Kanäle wie facebook und instagram bringen mir vor allen Dingen viel Spaß und dementsprechend nutze ich sie auch täglich. Doch immer wieder bringen sie mich auch auf die Palme. Daher ist dieser Blogbeitrag meine Story über eine große Hassliebe.

“Hallo, hier bin ich. Und das hier muss ich unbedingt mal loswerden!”

Früher war alles besser – was zumindest die Hürde für die Menschen angeht, nicht so ganz relevante Informationen in die weite Welt hinauszutragen. Oder gab es früher Leserbriefe mit dem Inhalt: “ich finde xyz ist doof” gelesen? Ne, da wurde noch debattiert und diskutiert.

Soziale Medien haben einen hauptsächlichen Charakter: Jeder kann sie kostenlos benutzen. Ob die anderen es wollen, oder eben nicht. Da gibt es dann Tante Lucia, die das 200. Katzenfoto hochlädt oder Cousin Uwe, der täglich seine Erfolge bei Candycrush mit seinen Freunden teilt. Nun kann man natürlich einzelne Inhalte ausblenden oder ganz nervige Konsorten eben blockieren, doch wenn man in den Bereich von Unternehmen oder anderen öffentlichen Profilen kommt, ist das Ganze eben nicht mehr so einfach.

Immer wieder sehe ich, dass Nutzer Beiträge verschiedenster Marken kommentieren, die Unternehmen darin teilweise diffamieren oder einfach nur ihre Meinung kundtun wollen. Ob die darin erwähnten Infos der Wahrheit entsprechen? Vollkommen egal. Was juckt das den Verfasser? Hauptsache, man kann seinen Senf dazugeben. Feedback, ehrliche Meinungen und Kritik sind natürlich wichtig – für Jeden von uns. Aber wie ehrlich ist denn bitte “Die Sachen haben bestimmt voll die schlechte Quali”? (Kommentar einer Person, die das Produkt noch nie in den Händen gehalten hat).

Ich will hier niemanden die Erlaubnis für die Nutzung von facebook & Co. entziehen, geschweige denn die Äußerung der eigenen Meinung. Ich stelle nur fest, dass Personen seltener bedenken was und wann sie posten oder teilweise gar nicht nachdenken, bevor sie auf ihren Kanälen agieren. Die Hürde, etwas zu veröffentlichen, ist mittlerweile so gering geworden, dass viele sogar kein Problem damit haben, (un)bewusst Fehlinformationen rauszuhauen. Zum Glück kann das ganze auch noch in die Hose gehen, wie ein britischer Urlauber schmerzlich erfahren musste. Er hatte seinen Reiseveranstalter auf Schadensersatz verklagt, weil er angeblich durch fehlende Hygiene im Hotel krank geworden ist und das Essen sehr schlecht gewesen sei. Blöd nur, dass derselbe Urlauber glückliche Fotos aus dem Urlaub postete. Umso besser für den Reiseveranstalter: Statt Schadensersatz gab es eine Strafe i.H.v. 21.000 € für den dreisten Lügner (die ganze Story dazu gib es hier).

Quantität > Qualität

Eins müsst ihr vorab wissen: Ich kann manchmal wirklich ein Klugscheißer sein. Seidseit.de oder lmgtfy.com sind häufig genutzte Links in meinem Verlauf. Dennoch können jedem mal Fehler passieren, auch ich habe schon mehrfach fehlerhafte Postings hochgeladen. Was mich aber wirklich stört, sind dicke Patzer oder in 2 Sekunden runtergeschredderte Postings. “Marckiere eine Person…” oder “Couseng” sind noch harmlos. Es gibt auch Kanäle mit mehreren hunderttausenden Followern, die auf den guten Geschmack und ihr eigenes Design verzichten, nur um “schnell noch ein Posting rauszuhauen”. Da wechselt dann nicht nur die Schriftart hin und her oder die Elemente sind verschoben (Monk würde ausrasten), teilweise werden Postings sogar geklaut und einfach schlecht abgeschnitten, damit man die ursprüngliche Quelle nicht mehr erkennt.

Wer ist am meisten Schuld an diesem “Qualitäts-Dilemma”? WIR! Wenn ich in die Kommentarleisten dieser teils unterirdischen Postings gucke, sehe ich in den Top-Kommentaren selten jemanden, der auf den Fauxpas eingeht. Stattdessen lassen wir uns auch von solchen Postings animieren, den Like-Button zu penetrieren oder Unmengen an Freunden zu markieren. Wir bestätigen doch immer mehr die Annahme: Was juckt mich die Aufbereitung, Hauptsache der Post geht steil! Ich meine: Warum funktionieren immer noch Postings mit “Diese Paare gewinnen im nächsten Monat im Lotto” oder “@L muss dir einen Döner ausgeben”? Wir haben sie schon zigmal gesehen und dennoch gibt es mindestens eine Person im Freundeskreis, die immer wieder darauf eingeht.

Im Postfach tummeln sich die Kleinanzeigen-Rolfs

Ihr kennt sicherlich “Best of Kleinanzeigen“. Die Seite ist bekannt für ihre Screenshots von den absurdesten Konversationen der Kleinanzeigenportale. Worüber viele täglich lachen, meine Wenigkeit natürlich inbegriffen, ist leider bittere Realität geworden: Höfliche und verständliche Gespräche sind rar im Internet. Und das betrifft nicht nur die Kleinanzeigen, sondern auch jegliche Möglichkeit der direkten Kommunikation.

Ich liebe eigentlich die Postfächer von instagram und facebook. Hier kann man sich mit Gleichgesinnten austauschen, Kooperationen planen oder einfach nur auf bestimmte Inhalte reagieren. Sie sind der schönste Weg, mit euch zu interagieren. Doch leider werden sie mittlerweile auch von den Anti-Wortakrobaten missbraucht. Man ahnt es schon immer dann, wenn es an einer ordentlichen Anrede fehlt. Aber selbst wenn man darüber hinwegsieht, bleiben am Ende immernoch zwei Kandidaten. Nr. 1 ist der “Teil mal meinen Beitrag, wäre voll cool und so”-Kollege. Versteht mich nicht falsch, ich unterstütze gerne tolle Instagram-Profile, die schöne Fotos machen und mit Leidenschaft bei der Sache sind. Doch hier macht nicht nur der Ton die Musik, sondern eben auch das Profil. Und da kommt es nicht selten vor, dass der Postfachpirat bisher genau einen Beitrag gepostet hat. Schwierig, da etwas zu empfehlen. Kandidat Nr. 2 nenne ich den Flyerverteiler. Diese Konsorten kommen sogar ganz ohne Text aus und schicken dir einfach eine Grafik. Vom nächsten Event, ihrer Dienstleistung oder einem Laden. Total nett, mich auf diese tollen Angebote hinzuweisen!

Ich habe schon viele tolle Fotos und Anfragen per Nachricht zugeschickt bekommen und darüber freue ich mich wirklich sehr. Doch einige sollten sich vielleicht vor einer Nachricht fragen: Warum sollte mein Gegenüber auf diese Nachricht jetzt eingehen? Und am Ende spielt dann doch immer der Ton mit.

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